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Seniorenhaus St. Josef
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St. Josef   >  Stationäre Pflege  >  Pflege  >  Menschen mit Demenz

„Eine Reise in eine fremde Welt“
Seit der Entdeckung der Krankheit Demenz vor ca. hundert Jahren, hat die Zahl der Betroffenen in den letzten fünfzehn Jahren dramatisch zugenommen. Diese Entwicklung macht auch vor dem Altenpflegeheim St. Josef nicht halt. Die Zahl der dementiell erkrankten Bewohner wird auch in unserer Einrichtung stetig zunehmen. Die Ursachenforschung ist weltweit in unzähligen Projekten mit der Thematik Demenz beschäftigt, aber noch sind viele Fragen offen. Eine Behandlung mit dem Ziel der Heilung ist noch in weiter Ferne, aus diesem Grund sind wir gefordert, unsere konzeptionelle und strukturelle Ausrichtung den Bedürfnissen der dementen Menschen anzupassen.

Grundlagen unserer Konzeption
Unser Motto im Bezug auf die Versorgung von Menschen mit Demenz lautet „Back to Basic“, zurück zum Einfachen.
In der Gestaltung der Räumlichkeiten bedienen wir uns sehr einfacher, aber effizienter Maßnahmen.

Großen Wert legen wir auf den Umgang mit den betroffenen Menschen, aber auch Hierarchie übergreifend zwischen den Mitarbeitern unserer Einrichtung. Der bewusste Umgang mit der verbalen und nonverbalen Kommunikation ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Kernelement unserer Konzeption.
Die dementiell veränderten Menschen leben in unserer Einrichtung in einem großen Wohnbereich mit allen anderen Heimbewohnern zusammen, haben aber die Möglichkeit sich zurück zu ziehen.
Durch diese Maßnahme haben die dementen Menschen kontinuierlich Kontakt zu orientierten Bewohnern und Menschen aus dem Umfeld der Einrichtung.
Wir orientieren uns grundsätzlich an den biographischen Grundlagen der Generation der zu pflegenden Menschen. Das bedeutet zur jetzigen Zeit, dass wir die Lebensumstände der 30er bis 70er Jahre bei der Erstellung der Konzeption beachtet haben. Durch diesen Umstand fühlt sich ein großer Teil der Bewohner mit den Maßnahmen der Konzeption angesprochen. Die persönliche Biographiearbeit im Rahmen der Pflegeplanung ergänzt den individuellen Umgang mit den dementiell veränderten Bewohnern.
Die Konzeption:
Das Grobkonzept ist wie eine Reise mit einem Segelschiff in eine fremde Welt aufgebaut.
Unsere Einrichtung stellt das Schiff dar, die Konzeptelemente sind die Segel.
Der Leuchtturm symbolisiert das Ziel der Reise, er steht für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit aller Beteiligten. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ankunft am Leuchtturm ist die Kenntnis und Berücksichtigung des Meeres, in unserem Konzept als Verständnis bezeichnet. Mit Verständnis ist die Rücksicht und Toleranz zwischen allen Beteiligten gemeint.
Für dieses Verständnis benötigen wir Wissen über die Krankheit Demenz, die Situation des Betroffenen und seiner Angehörigen und Klarheit über unsere Art und Weise mit der Krankheit umzugehen und die Belastung zu verarbeiten.
Das Wohlbefinden:
Das oberste Ziel aller Beteiligten ist das Wohlbefinden bei den betroffenen Menschen, den Angehörigen, den Mitarbeiter/innen und den Leitungskräften. Speziell das Wohlbefinden der dementiell veränderten Menschen bedarf einer genauen Definition. Wie bereits erwähnt, ist die Demenz eine fortschreitende Krankheit, eine Verbesserung des geistigen Zustandes
der Betroffenen ist nicht zu erreichen. Aus diesem Grund ist es unser erklärtes Ziel, ein Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit bei unseren Bewohnern zu vermitteln und langfristig zu halten.
Das Verständnis:
Das gegenseitige Verständnis der oben genannten Beteiligten ist die Grundlage für den Erfolg unserer Konzeption. Die Voraussetzung für Verständnis ist das Wissen über Bedürfnisse und Notwendigkeit des Gegenübers.

Die Beschäftigung:
Die förderliche und angemessene Beschäftigung der dementen Menschen ist ebenfalls ein wichtiges Kernelement unserer Konzeption. Die Fähigkeiten und Tätigkeiten aus der Vergangenheit der betagten Menschen bilden hier den Schwerpunkt. Unsern Mitarbeitern wird regelmäßig der sensible Umgang und das Erkennen der aktiven und der passiven Phasen der Bewohner vermittelt und eine Vielzahl von Möglichkeiten und Aktivitäten für die tägliche Arbeit näher gebracht.
Der demente Mensch wird nur am Rande durch Spielen, Malen oder Basteln beschäftigt, da es biographisch in der damaligen Zeit wenige Ressourcen für solche „Hobbies“ gab.
Aus diesem Grund haben wir für uns den Begriff der „Alltagsbegleitung“ entwickelt, da wir die Menschen durch ihren Alltag begleiten. Womit sich der demente Mensch beschäftigen möchte, richtet sich nach seinen individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen.

Durch eine Vielzahl von visuellen Angeboten (herumliegendes Strickzeug, ungelegter Wäsche, schmutziges Geschirr usw.) wird die Neugierde unserer Bewohner geweckt und der demente Mensch wird sich entsprechend seiner Interessen und Fähigkeiten, die er selbst am besten kennt, einer Tätigkeit zuwenden und sich dieser annehmen. Dabei rückt das „Noch- Können“ in den Vordergrund, Unfähigkeiten verblassen und werden weniger als Belastung wahrgenommen.
Die Erfolge und Misserfolge werden von der Alltagsbegleitung beobachtet, dokumentiert und an das Team weitergeleitet, um eine angemessene Handhabung bestimmter Situationen gewährleisten zu können.
Der Alltagsbegleiter sorgt für eine angenehme Stimmung im Wohnbereich, indem er kritische Situationen humorvoll entschärft und neue Wege anbietet. Erfolge werden durch Bestätigung, Lob und Anerkennung wahrgenommen und positiv verstärkt. Diese Art des Umganges gibt dem dementen Menschen Zuversicht den Alltag zu bewältigen und neue Herausforderungen anzunehmen. Auf ständige Aufforderungen zur Beschäftigung verzichten wir bewusst, da die eigenständige Entscheidung des Betroffenen eingeschränkt wird. Wir möchten nicht fordern, sondern fördern!

Umgang mit den dementen Menschen:
Der Umgang mit den dementiell veränderten Bewohnern basiert auf der Grundlage des
„Zulassens“. Alle Handlungen des Betroffenen werden toleriert und akzeptiert, auch wenn sie der „normalen“ Denkweise und der üblichen Handhabung in unserer Gesellschaft widersprechen. Die einzige Grenze bildet die Sicherheit des Bewohners und hygienische Komplikationen. Erfahrungsgemäß führt diese gespürte Akzeptanz zur deutlichen Reduktion der Unruhe durch Senkung des Fluchtgedankens.
Das Zulassen des dementen Menschen stößt in vielen Bereichen an die Toleranzgrenzen „normal“ denkender Menschen.

Die Kommunikation:
Die Kommunikation wird in der Praxis häufig unterschätzt, spielt sie doch in einem komplexen System einer Pflegeeinrichtung eine zentrale Rolle.
Die indirekten Kommunikation wird hervorgehoben, da sie für den Umgang mit dementen Menschen sehr wichtig ist. Im Rahmen von Einzelgesprächen und Informationsveranstaltungen vermitteln wir gerne auch Angehörigen und Interessierten die Grundlagen förderlicher Kommunikation für demente Menschen.

Die Umfeldgestaltung:
Bei der Gestaltung des Umfeldes legen wir sehr viel Wert auf die Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten in der Vergangenheit. Die Gemütlichkeit steht in allen Räumen im Vordergrund. Die blauen Sessel im Gemeinschaftssaal so wie die Eckbank sollten ihren Platz finden .
Die Wolljacke auf dem Stuhl, die Zeitungen auf dem Tisch und der Korb mit Wäsche geben dem Bewohner das Gefühl, in einem tatsächlichen „Zuhause“ zu leben.
Hierbei ist die Zusammenarbeit mit Angehörigen von enormer Wichtigkeit, z.B. bei der Erfassung der Biographie. Da der demente Mensch in seine Vergangenheit zurückgeht, hilft es allen Beteiligten im Umgang mit dem Betroffenen, möglichst viel aus seiner Lebensgeschichte zu wissen. Prägende Ereignisse im negativen Sinne, wie Tod, Angst, Verlust und Vereinsamung, sind ebenso wichtig wie Erfahrungen im positiven Bereich wie Geburt, Kinder, Tiere, Liebe und Partnerschaft.

Die Gestaltung der Räumlichkeiten
Im Mittelpunkt der Gestaltung steht der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss. Das Leben findet tagsüber hauptsächlich dort statt. Das persönliche Bewohnerzimmer wird zum Schlafen und zum Rückzug genutzt, die Gestaltung wird weitestgehend durch eigene Möbel und Dekorationsgegenstände des Bewohners individuell gehalten. Zum Ausleben und Kompensieren von vorkommenden Phasen der Unruhe, Trauer oder Aggressionen steht unseren Bewohnern ein Ruheraum zur Verfügung. Unser Ziel ist es, dass unruhige Bewohner in Begleitung unserer Mitarbeiter diese Unruhe bewältigen und nicht in die Isolation geraten.
Auf eine kostenintensive technische Ausstattung der Ruhebereiche verzichten wir. Der in die Vergangenheit zurückfallende Bewohner wird durch ein Übermaß an Technik nur verunsichert und sich in seiner Empfindung bedroht fühlen. Eine gemütliche Couch, ein zum Ausruhen einladender Sessel angenehme Musik entsprechen einem Wohnzimmer und kommen den Bedürfnissen eines Menschen entgegen, der das Leben um sich herum nicht einordnen kann.

Konzept zur Gartengestaltung
Wir bieten eine Gartenanlage mit Hof, wo man sich im Sommer auf der Hollywood – Schaukel wohlfühlen, den Nachmittagskaffee zu sich nehmen oder auch nur mit Angehörigen, anderen Bewohnerinnen und Bewohnern oder Pflegekräften kommunizieren kann.